Pressestimmen
Zum Weihnachtskonzert 2010
Zum Jahreskonzert 2010
Klangerlebnis bei Suiten und Filmmusik
Sein Honorar bestand aus einer Kiste erlesener Weine: Constantin Hartwig rückt ein Blechblasinstrument in den Blickpunkt, das meist nur als Randerscheinung eines Orchesters wahrgenommen wird. Der Schüler hat sich der Tuba verschrieben, die vor allem dazu dient, majestätische Klangtiefe auszupolstern.
Aber sie kann noch mehr, nämlich eine gewitzte, rhythmisch flinke Sprache sprechen und verliebt singen. Das beweist Constantin Hartwig mit den beiden ersten Sätzen des Tuba-Konzerts von Ralph Vaughan Williams in der gut besuchten Philharmonie. Ja, keine Frage, er wird auf jeden Fall Tuba studieren und Berufsmusiker werden. Ob er sich vorstellen kann, später auch als Solist aufzutreten, läßt er offen.
Einmal mehr erweist sich das Sinfonische Blasorchester Ludwigshafen als Nachwuchsförderer mit guten Voraussetzungen. Hier sitzen mehrere Generationen nebeneinander, darunter Constantin und sein Vater, der Posaunist Rainer Hartwig. Der Dirigent und Programmchef Hans Breika erinnert sich noch daran, wie er eine Schar von 15 Bläsern übernommen aus den Häden des Gründers Hans Pfeifer übernommen hat. Anlass zu diesem Rückblick gibt ein Jubiläum.
Breika erwähnt es in seiner Begrüßung: Seit zehn Jahren leitet er das Orchester, das auf rund 60 Miglieder angewachsten ist. Wie stellt sich Breika sich die zehn nächsten zehn Bläserjahre vor? Weil es ihm unverändert Spaß mache, werde er weiterhin Programme zusammenstellen, die das Publikum ansprechen, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.
So sieht seine Handschrift aus: Im abwechslungsreichen Jahreskonzert stehen Klassiker wie Schuberts „Rosamunde“-Ouvertüre und Griegs „Peer-Gynt“-Suite neben pikanten Raritäten wie dem Tuba-Konzert von Williams und den schmissigen „Komodiänten“ von Dmitri Kabalewski. Als populäre Zugabe gibt es das „Capriccio Espagnol“ von Rimski-Korsakow uns Ausschnitte aus Michael Kamens Filmmusik zu „Robin Hood, König der Diebe“.
Alle Beiträge haben eine gemeinsam: Sie geben Gelegenheit farbenprächtig aufzuspielen. Und sie stellen jede Instrumentengruppe attraktiv heraus. Drei Zugaben forderte das Publikum, eine so elektrisierend wie die andere.
Zum Weihnachtskonzert 2009
Vielfalt statt Trallala
Beim Weihnachtskonzert des Sinfonischen Blasorchesters Ludwigshafen in der Herz-Jesu-Kirche ging es kunterbunt zu. Man könnte das Konzert einen sinfonischen Potpourri-Rummel nennen. Das wäre allerdings ungerecht. Das Konzert war kein Wunschkonzert für faule Ohren, sondern ein vielseitiges Orchester-Portrait. Der Dirigent Hans Breika wählte ganz bewußt verschiedene Stücke und Stile, um zu demonstieren, was seine jungen Musiker so alles können.
Hans Breika weiß, dass es nicht damit getan ist, immerzu triviales Trallala blasen zu lassen. Als Posaunist der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz liebt er Klangfarben, markante Rhythmen, saubere Artikulation, vielfältige Dynamik und vor allem Fröhlichkeit. Engstirnigkeit und Bierernst mag er überhaupt nicht. Ihm gefallen Gospelsongs, Jazz und Pop ebenso wie Klassik und Romantik. Seine Musiker müssen alles mögen und können. Fordern und fördern ist seine Devise. Breikas Arbeit hat Früchte getragen: Einige seiner Musiker könnten bereits in einem Profi-Orchester mitspielen. Das ist großartig.
In einem Chorsatz und Bachs Weihnachtsoratorium schmetterten die Trompeten so hell, klar und strahlende, dass man die Streicher, die es in Blasorchestern ja nicht gibt, kaum vermisste. Hinter den 50 Orchesterbläsern hatten sich junge Choristen aus Ludwigshafen, Bad Dürkheim und Mannheim versammelt und sangen mit viel Freude. Man spürte die Begeisterung. Die Bläser hatten sie inspiriert. Bereits bei Bach und dem italienischen Barock-Komponisten Frescobaldi erahnte man die Flexibilität und die rhythmische Eleganz dieses Orchesters. Bei einem Stück aus Moussougskys „Bilder einer Ausstellung“ sang ein Saxophon so schön, dass Maurice Ravel, der Moussogskys originales Klavierstück einst für großes Sinfonieorchester bearbeitet, sehr wahrscheinlich im Himmel gelächelt hat.
Das Programm hatte die Form eines Blumenkelchs, der sich langsam öffnet. In einem Stück aus Edward Elgars „Enigma Variationen“ und dem Finalsatz aus der dritten Sinfonie von Gustav Mahler begegneten sich Lyrik, Ekstase und Dramatik. Das war fette Spätromantik. Ein bisschen Klangfett weniger wäre vielleicht besser gewesen. Manchmal sollte man rechtzeitig die Kitschbremse ziehen.
Das Sinfonische Blasorchester kann aber nicht nur sinfonisch donnern, sondern auch nett und majestätisch begleiten. Als Orchesterorgel begleitet es den Gesang der Gemeinde. Die Lieder „Fröhliche Weihnacht überall“ und „Oh, du fröhliche“ standen passend zum Konzerttermin ein paar Tage vor Heiligabend auf dem Programm. Zweimal fröhliche Weihnachten reichten dann aber auch. Da musste noch etwas anderes kommen.
Und es kam und machte sofort wieder munter. Mit einem Stück des ungarischen Komponisten Hidas Frigyes, das ein bisschen an Zirkusmusik von Schostakowitsch und Strawinsky erinnert, Tschaikowskys fetzige „Schwanensee“- Ballettmusik und der berühmten „Petersburger Schlittenfahrt“ von Richard Eilenberg entließ das tapfere Orchester die begeisterten Besucher in die vorweihnachtsliche Abendkälte.
Zum Jahreskonzert 2009
Prachtvoller Bläserklang
Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Philharmonie am Sonntag beim Jahreskonzert des Sinfonisches Blasorchesters Ludwigshafen. Zum 40-jährigen Bestehen hatte sich das Orchester etwas besonderes einfallen lassen: Ehemalige Musiker wurden zur Mitwirkung eingeladen.
Gegründet wurde das Orchester von Hans Pfeiffer, der es 25 Jahre lang leitete. Seit neun Jahren steht Hans Breika am Pult, im Hauptberuf Bassposaunist der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und Mitglied des Posaunenquartetts Trombonissimo. Eine Partnerschaft besteht zum Orchestre d'Harmonie in Lorient. Anspruchsvolle Bearbeitungen sinfonischer Kompositionen der Romantik und Moderne, sowie Originalwerke für sinfonisches Blasorchester bilden den programmatischen Grundstock des Sinfonischen Blasorchesters. Auch beim Jubiläumskonzert wählte man ein solches Programm.
Nach der klangsatten Wiedergabe von Mendelsohn-Bartholdys „Ouvertüre für Harmoniemusik“ folgte mit „Poem a la Carte“, dem Konzert für Posaune und Blasorchester von Manfred Schneider, ein sehr effektvolles Stück, welches das Orchester wie den Solisten gleichermaßen mit dankbaren Aufgaben verpflichtete. Hymnische, weiträumig geöffnete Klänge waren zu hören, herrliche Farben und karftvolle Tuttiklänge, die von den dynamisch aufspielenden Schlagzeugern beste Unterstützung fanden. Jürgen Schaal, Soloposaunist der Staatsphilharmonie, erfüllte den Solopart gleichermaßen mit Ausdruck und einem sonor klingenden Farbspektrum. Mit einer Kiste Wein, mit der Sackkarre hereingefahren, wurde diese Leistung belohnt.
Mussorgski „Bilder einer Ausstellung“ gibt es in verschiedenen instrumentalen Versionen, auch für ein Blasorchester bieten sie dankbares spielerisches „Futter“. Ehrwürdig tönte „Das alte Schloß“ in den dunklen Farben der Basstuben, das quirlige Spiel der Kinder in den Tuillerien wurde von dem munteren Zusammenspiel der Holzbläser eingefangen, ebenso der Tanz der Küchlein in den Eierschalen. Starke Klangkontraste aktivierte Hans Breika am Pult bei diesem Rundgang durch die Galerie, von den finsteren Grüften der römischen Katakomben bis zum prachtvoll strahlenden Blechbläserklang beim finalen „Großen Tor von Kiew“. Ereignisreiche Registerwechsel waren zu hören, von den wuselnden Holzbläsern zu den kräftigen Bleckklängen - jeder war dabei Teil einer großen orchestralen Gemeinschaft.
Mit Tschaikowskys „Capriccio Italien“ folgte ein spielerisch nicht minder dankbares Stück nach der Pause, und hier zeigte das groß besetzte Blasorchester ein weites Panorama seiner klanglichen und spielerischen Möglichkeiten. Auf Harmonien von nächtlicher Stimmmung und feierlichem Ernst folgten Melodien, denen das Orchester schwungvollen Elan und mitreißendes Temperament verlieh. Das begann mit einem Walzer, der von der Orangen-Werbung bis zu Freddy Brecks Schlagerversion „Bianca“ in aller Ohren ist, und führte zu einer schmissigen „Tarantella“, die von den Blasinstrumenten reichlich Zunder bekam.
Romantische Gefühle eröffnete das Blasorchester zu der Komposition „Luceafarul“ von Thomas Doss, der sich von einem Abendstern-Gedicht, des rumänischen Romantikers Mihai Eminescu inspirieren ließ. Wildwest-Romantik gab es schließlich am Ende mit John Williams' Filmmusik zu „The Cowboys“. Das Ludwigshafener Publikum spendete begeisterten Beifall.
Zum Jahreskonzert 2009
Zum Weihnachtskonzert 2008
Glanz und Kraft des Bläserklangs
Sinfonisches Blasorchester Ludwigshafen in Herz-Jesu-Kirche
Von Gabor Halasz
Bei seinem mittlerweile traditionellen Konzert am vierten Advent in der Kirche Herz Jesu hat das Sinfonische Blasorchester Ludwigshafen mit Werken von Wagner, Tschajkowskij und Emil Waldteufel auch dieses Mal ein ansprechendes, hörerfreundliches Programm vorgestellt. Zugleich signalisierten die Aufführungen des Bläserensembles unter der Leitung seines Dirigenten Hans Breika beachtliche musikalische Ansprüche.
Als die wichtigsten (und von den überaus zahlreich erschienenen Besuchern offenbar sehr geschätzten) Tugenden dieses Orchesters erwiesen sich auch bei seinem jüngsten Konzert der volle, pastose Klang (bei durchweg klarem Tonansatz) und das konzentrierte Zusammenspiel. Gleich beim ersten Stück des Abends, einer Bläserbearbeitung von Elsas Einzug in das Münster aus dem zweiten Akt von Wagners „Lohengrin“, nahmen der durchsichtige wie homogene Orchestersound und die klare Linienführung für die Wiedergabe ein. Sie sprachen eindeutig für den erfreulichen Leistungsstand des Ensembles und die gezielte Arbeit des am Pult gewandt schaltenden und waltenden Breika.
Diese waren außerdem an der eindringlichen Disposition des mehrstimmigen Satzgefüges, an differenzierten gestalterischen Initiativen, aufmerksam ausgehörten dynamischen Abstufungen und der schlüssigen Darstellung der kompositorischen Vorgänge zu erkennen. So etwa bei den emphatischen Höhepunkten, die ebenso konsequent wie organisch angesteuert wurden.
Das galt auch für den zweiten Satz aus Tschajkowskijs fünfter Sinfonie, während zuvor der Walzer aus seiner Ballettmusik zu "Dornröschen" in einem Arrangement für vier Tuben schon recht originell anmutete. Auch Hans Breika, hauptamtlich Posaunist bei der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, wirkte im Tuba-Quartett mit. Bei dieser Aufführung drängten sich Assoziationen mit sehr gewichtige Tänzer auf. Beschwingt, kompakt und überzeugend gerieten dann die Wiedergabe von Waldteufels "Schlittschuhläufer", dem letzten Stück des offiziellen Programms, und die beiden Zugaben: "Dance 2" von Schostakowitsch und Leroy Andersons "Schlittenfahrt".