Im Interview mit Prof. Wilfried Rosendahl, Sprecher bei „Reise nach Gondwana“
Für unser Konzert im Frühling Reise nach Gondwana dürfen wir als besonderen Gast Herrn Prof. Dr. Wilfried Rosendahl im BASF-Feierabendhaus begrüßen. Er ist seit 2021 Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim und Kurator der aktuellen Sonderausstellung Saurier – Faszination Urzeit. Zwischen den Werken gibt der Paläontologe spannende und unterhaltsame Einblicke in die wissenschaftlichen Hintergründe zu den Themen unserer Musik. Wir haben ihm vorab ein paar Fragen gestellt.
Was war Ihr erster Gedanke, als unser Dirigent Jens Weismantel Sie kontaktiert hat und für eine Zusammenarbeit unter dem Motto „Musik trifft Wissenschaft“ begeistern wollte?
Ich war von Beginn an begeistert von der Idee einer Zusammenarbeit. Das Projekt klang ungewöhnlich und sehr interessant. Solch eine Kulturkooperation gab es zwischen den beiden Nachbarstädten Ludwigshafen und Mannheim noch nicht – Musik trifft Museum und Wissenschaft.
Worin sehen Sie die größten Herausforderungen bei der Vermittlung paläontologischer Hintergründe in einem Konzertsaal?
Für das Thema Urzeit und Saurier gibt es irgendwie generationsübergreifend eine Urfaszination. Der Faszination urzeitlicher Lebenswelten, vor allem der großen Dinosaurier kann man sich kaum entziehen, was auch daran zu erkennen ist, dass das Thema eben nicht nur im Museum und in der Wissenschaft zu finden ist. Literatur, Film, Musik, Theater und viele weitere Bereich, z.B. in der Popkultur, haben die Urzeitwelten für sich entdeckt.
Kann Musik vielleicht auch helfen, Erdgeschichte und Urzeit erlebbar zu machen?
Unbedingt! Als vielsinniges und emotionales Wesen sind wir nicht nur an Bildern aus der Erdgeschichte und ihren Lebewesen interessiert. Wenn Rekonstruktionen gezeigt werden, ist immer die nächste Frage nach dem Sound zum Bild. Der Film Jurassic Park hat eindrucksvoll gezeigt, was die Musik zum Film, zu den Sauriern bedeutet. Bewegung, Größe und Aktion werden von passenden Kompositionen in Szene gesetzt.
Sie wurden ja inzwischen schon zu den thematischen Schwerpunkten unseres Konzertprogramms gebrieft und haben bestimmt auch schon ein wenig in die Musik hineingehört. Gelingt der musikalische Transfer der Urzeitthemen aus Ihrer Sicht?
Das Konzert wird eine wunderbare, lautmalerische Zeitreise werden. Über Titelnennung und lebendige Erläuterungen mit Hintergrundbildern kann man beim Zuhören mit geschlossen Augen erleben, wie vor dem geistigen Auge Erdgeschichten lebendige werden.
Es wird um Gondwana, Pangea, um den Urknall und die Dinosaurier gehen. Vermissen Sie als Paläontologe noch ein Thema? Wenn ja, wie müsste der Soundtrack dazu klingen?
Auch wir Menschen sind ja Teil der Millionen Jahre alten Geschichte. Am Konzertabend kommen wir aber nur als Zuhörer vor. Zur Zeit der Dinosaurier lebten aber auch schon frühe Vorfahren von uns. Sie waren klein und unscheinbar, nur mausgroß. Der Soundtrack dazu wäre alles andere als dramatisch, eher hektisch und mit hohen Flötentönen.
Vielleicht gelingt es uns, durch unser Konzert neue Urzeit-Fans zu gewinnen. Warum lohnt sich für diese unbedingt ein anschließender Besuch in der Ausstellung Saurier – Faszination Urzeit?
Wer die Faszination der Saurierwelten komplett und mit allen Sinnen erleben möchte, der muss das Konzert besuchen und in die Ausstellung in den Reis-Engelhorn-Museum kommen. In Ludwighafen den Klanggenuss konsumieren und im Museum sehen, staunen und sogar anfassen. Hier kann man nicht nur spektakuläre Originale und Rekonstruktionen sehen, sondern z.B. dem T-rex auch an den Zahn fassen und den Triceratops die Hörner streicheln. Auch zeigen wie ein einzigartige Ursaurierfunde aus der Pfalz und kaum bekannte Entdeckungen aus dem Odenwald.
Wie kamen Sie zur Paläontologie – gab es einen „Schlüsselmoment“ in Ihrer Jugend?
Ich war schon zur Kindergartenzeit fasziniert von dem Thema und diese Begeisterung hält bis heute an. Sogar mein Dinosaurier WAS IST WAS Buch aus den Kindheitstagen ist immer noch Teil meiner Bibliothek. Ich teile meine Begeisterung auch gerne und deswegen liebe ich die Arbeit im Museum – Forschen, Präsentieren und Vermitteln!
Ich mache auch gern Bücher zum Thema. Zuletzt mit je zwei Mitautoren die „UrzeitReiseDeuschland – 36 Entdeckungen von der Zugspitze bis Helgoland“, eine Riese durch die Erdgesichte Deutschlands und „SaurierZeitReise Deutschland – 66 Entdeckungen vom Alpenrand bis zum Ostseestrand“ ein Führer zur Welt der Saurier in Deutschland.
Zur Person: Prof. Wilfried Rosendahl
Prof. Dr. Wilfried Rosendahl studierte und promovierte in den Fächern Geologie, Paläontologie, Zoologie und Ur- und Frühgeschichte. Zwischen 1992 und 2004 absolvierte er Arbeits- und Forschungsaufenthalte an verschiedenen Universitäten und Museen. Seit 2004 ist er in unterschiedlichen Funktionen an den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (rem) tätig, seit 2021 als Generaldirektor. Er ist Vorstandsvorsitzender und Vorstandsmitglied verschiedener Stiftungen für die rem, Wissenschaftlicher Vorstand und Geschäftsführer der Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie gGmbH und Geschäftsführer der Museums Management Mannheim GmbH.
Prof. Rosendahl fungiert als Kurator zahlreicher nationaler und internationaler Ausstellungen und leitet verschiedene Forschungsprojekte mit Schwerpunkt im Bereich Quartärpaläontologie und Bioarchäologie. Auch in der Lehre war er an verschiedenen Universitäten tätig, derzeit am Historischen Institut der Universität Mannheim. Er ist Autor zahlreicher nationaler und internationaler Zeitschriften- und Buchbeiträge in unterschiedlichen Fachgebieten sowie Autor und Herausgeber verschiedener populärwissenschaftlicher Zeitschriften- und Buchpublikationen, in den Geowissenschaften zuletzt beispielsweise „UrZeitReise Deutschland“ und „SaurierZeitReise -Deutschland“.
Prof. Rosendahl ist Kurator der aktuellen Sonderausstellung „Saurier – Faszination Urzeit“, die noch bis zum 2. August in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim präsentiert wird.



