Im Interview: Florian Streich, Solist bei Guldas Cellokonzert

Florian Streich ist leidenschaftlicher, mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichneter Kammermusiker und Solocellist des dogma chamber orchestra. Dieses Jahr tritt er als Solist bei Guldas Cello-Konzert gleich an gleich drei Abenden gemeinsam mit dem SBO LU auf. In unserem Interview spricht er über die besonderen Herausforderungen des Werkes, die Notwendigkeit einer intensiven Vorbereitung und die Zusammenarbeit mit Blasorchestern.

SBO LU: Florian, dieses Jahr bist du gleich drei Mal mit dem SBO LU auf der Bühne. Das erste Serenadenkonzert ist bereits vorbei – wie hat es dir in der Schlosskapelle in Schwetzingen gefallen und was ist dein Fazit zum Konzert?

Florian Streich: Das Konzert hat mir einen Riesenspaß bereitet – und das ist bei Guldas Cellokonzert auch sehr wichtig. Es ist von der Komposition her geradezu darauf ausgelegt, dass die Musiker interagieren und dass eine gemeinsame Spielfreude entsteht. Auch und gerade in kleineren Konzerträumen wie der Schlosskapelle in Schwetzingen ist es immer wieder toll zu sehen, wie diese Spielfreude aufs Publikum überspringt, und das auch bei so unterschiedlichen Werken. Kurz gesagt, ich freue mich schon wahnsinnig auf die nächsten beiden Konzerte!

SBO LU: Die Konzerte werden ja in drei sehr unterschiedlichen Sälen aufgeführt: Von der Schlosskapelle in Schwetzingen über das Schlösschen im Park in Limburgerhof hin zum Konzertsaal im Pfalzbau. Welche Auswirkungen hat das auf deine persönliche Vorbereitung?

Florian Streich: Für mich ist es bei der persönlichen Vorbereitung natürlich wichtig, mich auf die akustischen Gegebenheiten des Konzertsaals einstellen zu können. Wenn ich den Konzertsaal schon kenne, stelle ich mir beim Üben schon vor, wie ich bei der Aufführung spiele und wie ich mich bewege. Ich versuche, mich voll in die Situation mit allen Gegebenheiten hineinzuversetzen. Das hilft natürlich ungemein, denn bei der eigentlichen Aufführung kann ich mich voll auf die künstlerische Darbietung konzentrieren und passe nur noch Details an. Das hat auch etwas ungemein Spannendes, denn die Musik entsteht trotz aller Vorbereitung letztlich doch erst beim Konzert – und die Zuhörer haben auch Einfluss auf die Situation. Das Schlösschen im Park in Limburgerhof kenne ich übrigens noch nicht, aber ich werde mich auf jeden Fall in den nächsten Tagen damit vertraut machen.

SBO LU: Das hört sich nach einer sehr intensiven Vorbereitung für unsere Aufführungen an. War es eigentlich das erste Mal, dass du das Cello-Konzert von Gulda gespielt hast, oder hattest du schon einmal die Gelegenheit dazu? Was gefällt dir denn besonders daran und wo liegen deiner Meinung nach die größten Herausforderungen für den Cellisten?

Florian Streich: Tatsächlich war es das erste Mal, dass ich Guldas Cellokonzert als Solist spielte, aber es war auch ein lange gehegter Wunsch von mir. Herausforderung und Reiz liegen bei dem Werk übrigens eng beieinander. Der Solist muss auf dem Cello ganz unterschiedliche Genres umsetzen, beispielsweise die gitarristischen Motive im rockigen ersten Satz oder eher volkstümliche Melodien im letzten Satz. Das sind sehr unterschiedliche Stile, die Gulda hier so geschickt miteinander verknüpft. Das bedarf einer langfristigen Vorbereitung, macht aber einfach jede Menge Spaß, eben weil das auch ganz ungewöhnliche Stile fürs Cello sind. Ich freue mich deswegen auch sehr darüber, dass das Konzert an gleich drei Abenden gespielt wird. Das gibt Raum für eine künstlerische Entwicklung!

SBO LU: Wir hatten ja schon einmal die Ehre, dich im Orchester sitzen zu haben, vor zwei Jahren bei unserem Konzert im Pfalzbau LEIDEN.SCHAFFT.LEBEN. Wie gefällt dir denn die Arbeit mit einem Blasorchester, auch und gerade im Gegensatz zu einem Sinfonieorchester? Was macht den Unterschied aus?

Florian Streich: Zuerst muss ich dazu sagen, dass das SBO LU meinem Empfinden nach ein sehr aktives und sympathisches Ensemble ist. Das überträgt sich auch auf die Musik, und das gemeinsame Musizieren macht einfach Spaß. Natürlich gibt es zwischen Sinfonieorchester und Blasorchester grundsätzliche Unterschiede. Mir gefällt am Blasorchester die Mischung an Instrumenten, besonders in der Mittellage. Das ergibt eine tolle Klangfarbigkeit mit interessanten Instrumentierungsmöglichkeiten. Auf der anderen Seite ist es für Streicher natürlich herausfordernd, sich gegen so viele Bläser durchzusetzen, da hat das Sinfonieorchester eben ganz andere Skalierungsmöglichkeiten. Interessant ist aber auch, dass die Atmung beim Blasorchester ja ein zentraler Bestandteil des gemeinsamen Musizierens ist. Ich versuche, mich darauf voll einzulassen und gemeinsam mit den Bläsern zu atmen, was für das gemeinsame Erleben der Musik einfach unglaublich wichtig ist.

SBO LU: Herzlichen Dank für die interessanten Einblicke – wir freuen uns schon auf die nächsten beiden Aufführungen mit dir!

Termine:
Serenadenkonzert, Schlösschen im Park Limburgerhof, Sonntag, 08. September, 18 Uhr
Jubiläumskonzert im Pfalzbau „Klangwandel“, Pfalzbau Ludwigshafen, Sonntag, 20. Oktober, 18 Uhr

Tickets:
www.sbo-lu.de/tickets